Unser KUNDENTIPP im Monat Oktober

 

Andreas Meistermann empfiehlt im Oktober:
Anton Reiser

In seinem kurzen Leben - er starb mit 37 Jahren an einem Lungenödem – kann der 1756 in Hameln geborene Karl Philipp Moritz, ein fast vergessener Klassiker deutscher Literatur, auf eine bewegte Karriere als Hutmacherlehrling, Schauspieler, Hofmeister, Lehrer, Redakteur, Schriftsteller, Spätaufklärer, Philosoph und Kunsttheoretiker zurückblicken.
Prägend für ihn und sein Werk war die elterliche Herkunft. Moritz wuchs in ärmlichen, von den asketisch und gefühlsarm ausgerichteten religiösen Richtungen des Quietismus und des Pietismus geprägten Verhältnissen auf. Sein Konfirmationspfarrer entdeckte seine Begabung und ermöglichte ihm, mit Hilfe eines Wohltäters ab 1771 das Ratsgymnasium in Hannover zu besuchen.. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, Schauspieler zu werden, wurde Moritz über die Stelle eines Informators am Potsdamer Militär Waisenhaus 1778 Lehrer am Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster, wo er 1784 Gymnasiallehrer wurde. Freundschaften pflegte er unter anderem zu Goethe, der ihn wie einen jüngeren Bruder sah, und zu dem bekannten jüdischen Philosophen und Aufklärer Moses Mendelssohn.
Moritz? Kindheit, die Ausbildungs- und Schulzeit ist in bis dahin beispielloser Schonungslosigkeit in seinem autobiographisch gefärbten psychologischen Roman Anton Reiser verarbeitet. in seinem Werk wurde er Sturm und Drang, der Berliner Aufklärung, der Frühromantik und der Weimarer Klassik geprägt.
Schon früh ist die Sehnsucht nach Liebe und Freundschaft prägend, Einsamkeit ist ein ständiger Begleiter, von den Freuden des Lebens trennen ihn Welten. Bestimmt wird seine Welt durch eine lieblose Erziehung und eine von Gebet, Gehorsam, Geduld und Ordnung geprägte Religion, Bücher werden zum Trostpflaster.
Detailliert gibt Moritz Einblick in eine empfindsame und verletzte Seele. Angst vor Gott, dem Tod, Schuldempfinden und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, bestimmen die Gedanken.
Abhilfe schafft die Möglichkeit, auf eine höhere Schule gehen zu können. Eine als unerträglich empfundene Lehre als Hutmacher kann er dank der Förderung hochgestellter Persönlichkeiten abbrechen. Doch auch hier gibt es Probleme. Es ist vor allem die Armut, die ihn in die Rolle des Außenseiters drängt, trotz seiner großen geistigen Fähigkeiten. Er verliert sich in sentimentalen, schwärmerischen und von hohem Pathos getragenen Gedanken und Gefühlen, vor allem ausgelöst durch eine intensive Lektüre von Theaterstücken. Die dort handelnden Personen werden für ihn lebendiger als die Menschen seiner Umgebung. Diese Flucht geht sogar so weit, dass er sich gehen lässt, seine Kleidung nicht mehr pflegt und seinen Körper durch Hungern ruiniert. Seine Sucht wird der Kauf von Büchern, die er sich eigentlich gar nicht leisten kann. Als er schließlich ganz elend und von aller Welt verlassen ist, denkt er sogar an Selbstmord.
Ein weiterer Ausweg aus dieser Situation bildet für ihn die Schauspielerei. Doch hier stößt er ebenfalls auf Widerstände. Die Rollen werden zumeist an andere vergeben. Auch Gespräche mit führenden Regisseuren führen nicht zum Ziel, was vor allem mit seiner Herangehensweise zu tun hat. Die Überidentifikation mit den von ihm gespielten Rollen erweist sich als wenig professionell..
Zum Ende des Romans fährt er einer Theatertruppe hinterher, die sich allerdings schon in Auflösung befindet. Offen bleibt, wie es mit Anton Reiser weitergeht.
Karl Philipp Moritz ist mit Anton Reiser ein Roman gelungen, der wie wenig andere sich in eine extrem empfindsame Seele einfühlt und darüber hinaus deutlich macht, wie eine von Feudalismus geprägte Gesellschaft einen Menschen zerstören kann, der nicht auf der Sonnenseite des Lebens steht und auf „gnädig” gewährte Wohltaten höher gestellter Personen angewiesen ist, Eine mehr als empfehlenswerte Lektüre für Leser, die allerdings einen langen Atem brauchen.


 
 
Moritz, Karl Philipp

EUR 11,-0

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Unser KUNDENTIPP im Monat September

 

Andreas Meistermann empfiehlt:
Die Kartause von Parma

Die Kartause von Parma von Stendhal Italien in den Wirren der napoleonischen Kriege ist der Ausgangspunkt des äußerst spannenden und unbedingt lesenswerten Romans „Die Kartause von Parma” von Stendhal.
Darin erzählt der bekannte französische Schriftsteller ein weiteres Mal wie schon in „Rot und Schwarz” vom tragischen Scheitern eines jungen, hoffnungsvollen und idealistischen Mannes, der unter die Räder einer feudalistischen Gesellschaft gerät.
Es handelt sich dabei um Fabrizio, Sohn des Mailänder Marchese del Dongo, der unter dem Einfluss von Mutter und Tante mit dem revolutionären Geist Napoleons vertraut gemacht wird. Die Tante heiratet sogar aus Liebe einen verarmten Grafen, der sich in die Dienste Napoleons begibt und General in dessen Armee wird. Doch wie schnell wandeln sich die Verhältnisse. Nach dem verlorenen Krieg gegen das russische Zarenreich sinkt der Stern Napoleons, der in die Verbannung nach Elba gehen muss.
Überall machen sich wieder die alten feudalistischen Kräfte breit und kehren an die Macht zurück. Einer von ihnen ist Fabrizios Vater Marchese del Dongo.
Der Konflikt zwischen Vater und Sohn verschärft sich, als sich Fabrizio 1815 nach der Nachricht von Napoleons Rückkehr auf französischem Boden auf den Weg nach Waterloo macht, um auf dessen Seite gegen die alliierten Kräfte von Engländern und Preußen zu kämpfen. Das hat Folgen, denn er wird als Revolutionär von der Polizei gesucht, im Auftrag des Vaters und auf besonderes Betreiben seines verhassten Bruders Ascanio, der sich auf die Seite der reaktionären Kräfte geschlagen hat.
Dank der Protektion der Tante, die immer da, wo sie ihr Domizil aufschlägt, gute Kontakte zu den Mächtigen pflegt, gelingt es, Fabrizios Hals aus der Schlinge zu ziehen. Sie empfindet eine große Zuneigung zu ihrem Neffen und tut alles für ihn. Doch ihr gelingt es nicht, den oft leichtsinnigen Fabrizio vor allen Fallstricken zu befreien.
Wie schon in „Rot und Schwarz” beschreibt Stendhal neben dem tragischen Scheitern seines Helden Fabrizio, der vergeblich gegen die Konventionen einer erstarrten Gesellschaft aufbegehrt , auch in diesem Roman das intrigante Treiben an adeligen Höfen, das jeden Fortschritt lähmt und auf diese Weise zum Untergang verurteilt ist.
Und das gelingt Stendhal auf eine äußerst spannende und unterhaltsame Art.

Stendhal

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Andreas Meistermann empfiehlt im August:
Ab heute heiße ich Margo

Geschichte ist mehr als Institutionen-Kunde und das Auswendig-Lernen von Zahlen, Daten, Fakten. Der ein oder andere wird sich noch vielleicht an die Serie „Holocaust”, erinnern, die 1979 bei ihrer Ausstrahlung im deutschen Fernsehen für Furore sorgte. Millionen von Zuschauerinnen und Zuschauern verfolgten bewegt das Schicksal der jüdischen Familie Weiss, die im Konzentrationslager endete. Als deutscher Gegenpart stand ihr der Jurist Erik Dorf gegenüber, der in der SS Karriere machte. Mehr als jegliche Berichterstattung und wissenschaftliche Bücher traf die Serie ins Herz der Menschen, weil sie von Einzelschicksalen berichtete, nicht von der Struktur des NS Staates order ihrer vielen Institutionen.
Ähnliches vermag auch die Literatur. Ein gutes Beispiel dafür ist der Roman „Ab heute heiße ich Margo” von Cora Stephan. Er schildert auf spannende, einfühlsame und anschauliche Weise von wichtigen Kapiteln deutscher Geschichte, dem Aufstieg und dem Untergang des nationalsozialistischen Reiches, dem Entstehen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik sowie der Wiedervereinigung.
Cora Stephan orientiert sich bei ihrem Roman an der Biographie zweier Frauen, deren Lebenswege sich kreuzen und später in völlig unterschiedliche Richtungen entwickeln.
Alles fängt zunächst beschaulich an. Margo, deren Vater ein Anhänger des Nationalsozialismus ist, beginnt eine kaufmännische Lehre bei einem Fotogeschäft im in der Provinz gelegenen Stendal. Dort trifft sie auf die Fotografin Helene, die mehrere Geheimnisse umgeben. Erst langsam wird klar, dass sie Jüdin ist. Zum Problem wird, dass sich beide in den gleichen Mann verlieben: Alard von Sedlitz, Mitarbeiter im Außenministerium des Deutschen Reiches. Noch schwerwiegender ist allerdings die jüdische Herkunft von Helene. Sie wird verhaftet und landet im Konzentrationslager.
Aber auch Margo kommt nicht ungeschoren davon. Schwer verletzt überlebt sie eine Massenvergewaltigung durch russische Soldaten. Und was noch schlimmer ist: ihr Kind, das von Alard von Sedlitz stammt, verschwindet spurlos.
Trotz ihres tragischen Schicksals versuchen Margo und Helene, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Während Margo eine Karriere im Wirtschaftswunderland Bundesrepublik Deutschland macht, lässt sich Helene von der Stasi zur „Kundschafterin des Friedens” ausbilden. Im Rahmen dieser Tätigkeit kommt es zu einer Wiederbegegnung beider Frauen, jetzt unter ganz anderen Umständen.
Mit „Ab heute heiße ich Margo” hat Cora Stephan einen Roman geschrieben, den man, wenn man nur ein wenig Interesse an deutscher Geschichte hat, nicht mehr aus der Hand legt. Da kommt es auch nicht darauf an, dass sie stilistisch nicht zu den ganz Großen ihrer Zunft gehört.

Stephan, Cora

EUR 21,99

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Andreas Meistermann empfiehlt im Juli: Von Juni zu Juni

Eine genaue Beobachterin von Frauen und ihren Lebenswelten, oft geprägt von traditionellen Rollen und dem Kampf gegen diese, ist die 2013 gestorbene Schriftstellerin Irina Korschunow. In „Langsamer Abschied” schildert sie den Konflikt einer Frau, die nach der Trennung von ihrem Mann zurückkehrt, weil dieser schwer erkrankt ist, „Der Eulenruf” handelt von der späten Flucht aus einem Provinzort und „Das Luftkind”, das vom Drama um eine uneheliche Beziehung berichtet, wird von der Literaturkritik als moderne Version von Effie Briest gelobt.
 
In diese Reihe gehört auch der Roman „Von Juni zu Juni”, der deutlich macht, dass Frauen auch noch in den Zeiten von APO und Feminismus Schwierigkeiten hatten, sich von überkommenen Vorstellungen, wie eine Frau sein soll, zu lösen.
 
Erzählt wird von Linda und Philipp, die sich als Studenten in der Universität München kennen und lieben lernen. Sie studiert Soziologie und ist vom Geist der beginnenden Studentenrevolution beseelt, möchte die Welt ändern. Philipp hingegen, der Architektur studiert, ist schon in jungen Jahren ein pragmatischer und geschäftsorientierter Charakter. Gleichzeitig besticht er durch seinen Charme.
 
Immer mehr entfernt sich Linda von ihren Idealen, sie ordnet sich den beruflichen und geschäftlichen Zielen ihres Mannes unter, zu Anfang noch als gleichberechtigte Partnerin, später ausschließlich als Ehefrau und Mutter. Sie mutiert zur Frau an der Seite eines erfolgreichen Mannes. Beide geben nach außen ein gutes Bild ab, doch allmählich bröckelt die Fassade. Philipp geht fremd, sieht darin aber nichts Besonderes („ich kehre doch immer zu dir zurück”), während Linda an die ewige Treue glaubt. Schließlich resigniert sie auch und beginnt mehrere Affären. Zur Katastrophe kommt es, als eines Tages die gemeinsame Tochter Esther verschwunden ist.
Verdächtigungen über einen sexuellen Missbrauch durch den Vater machen die Runde, und die Geschäftspraktiken von Philipp in Bezug auf Bestechung geraten ebenfalls an die Öffentlichkeit.
 
Irina Korschunow beschreibt diesen Untergang einer gutbürgerlichen Familie aus den besseren Kreisen mit dem für sie charakteristischen Stil, unprätentiös, fließend, geprägt von Bedächtigkeit, wenig Ausschmückung und selten emotionaler Ausschweifung. Dabei entfaltet sie einen erzählerischen Sog, dem man sich nicht mehr entziehen kann – kurz gesagt eine mehr als empfehlenswerte Lektüre.

Korschunow, Irina

EUR 19,95

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Andreas Meistermann empfiehlt im Juni:
Die Vergeltung - Rhoon 1944

Wie schwer ist der Umgang mit dem Thema Schuld? Das vermutlich schlimmste Verbrechen des 20. Jahrhunderts war der von den Nationalsozialisten in Deutschland geplante und durchgeführte Völkermord an den Juden. Ein weiteres Verbrechen zu gleicher Zeit war der Eroberungskrieg Deutschlands von 1939 bis 1945, kurz der Zweite Weltkrieg.
Beschämend ist die Auseinandersetzung der meisten Beteiligten mit diesem Thema. Im Nürnberger Prozess haben sich die führenden Köpfe des Nationalsozialismus von jeglicher Schuld freigesprochen, die Bevölkerung will von nichts gewusst haben, die Österreicher, die 1938 begeistert den Anschluss an das ?Deutsche Reich? beklatschten, haben sich in der Opferrolle wohlgefühlt, und dieses Verhalten trifft sich auch in vielen Ländern wieder, die zum Teil bereitwillig mit den deutschen Besatzern zusammengearbeitet haben wie das Vichy-Regime in Frankreich.
Über einen bisher in diesem Zusammenhang kaum bekannten Aspekt hat der niederländische Autor Jan Brokken einen Roman mit dem Titel 'Die Vergeltung - Rhoon 1944' verfasst.
In der von dem amerikanischen Schriftsteller Truman Capote begründeten Tradition des Tatsachenromans berichtet Jan Brokken über einen Vorfall in dem Örtchen Rhoon, der zum Ende des Zweiten Weltkrieges passierte und der bis heute für Unfrieden sorgt.
Was war geschehen? Die Niederlande sind zum Zeitpunkt der von Jan Brokken geschilderten Ereignisse von der deutschen Wehrmacht besetzt. Die Reaktion der Menschen ist unterschiedlich. Die einen arrangieren sich, die anderen gehen in den Widerstand, und dann gibt es noch die, die sich mit der Besatzungsmacht gemein machen. Darunter sind welche, die auch die Ideologie der Nationalsozialisten teilen (Zur Erklärung: in den 1930er Jahren haben sich auch in Ländern, die später von Deutschland besetzt wurden, starke faschistische Bewegungen entwickelt), und es sind welche dabei, die einfach nur ein gutes Leben haben wollen, und das auch in schweren Zeiten.
Dazu gehören die Geschwister Dien und Sandrien, die Verhältnisse mit deutschen Soldaten haben. Die beiden jungen Mädchen wollen der ländlichen Öde und geistigen Enge entfliehen. Trotz des Krieges und der nahenden Alliierten geht alles seinen gewohnten Gang, Alltag also im Angesicht des Schreckens. Bis am 10. Oktober 1944 etwas passiert, was die Lage schlagartig ändert. Bei einem Sabotageakt kommt ein deutscher Soldat zu Tode. Die Rache folgt sofort. Sieben willkürlich aus dem Örtchen Rhoon herausgegriffene Männer werden standrechtlich erschossen. Und damit hat die Geschichte noch kein Ende. Nach dem Krieg folgt die Abrechnung mit den Kollaborateuren.
Autor Jan Brokken gelingt es in seinem Roman, die Themen Krieg, Besatzung und Kollaboration jenseits der sich anbietenden Gut- und Böse-Schemen zu beschreiben. Er macht deutlich, dass es viele Graustufen gibt, dass Menschens Verhältnisse eingehen, die sich einer einfachen Erklärung entziehen. Wie will man beispielsweise begreiflich machen, dass eine niederländische Frau einen deutschen Soldaten und Besatzer liebt, obwohl er die nationalsozialistische Ideologie teilt? Es bleiben offene Fragen, und das ist es auch, was diesen empfehlenswerten Roman ausmacht. Bitte lesen.

Brokken, Jan

EUR 19,99

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Andreas Meistermann empfiehlt im Mai: Unschuld

Der amerikanische Romanautor Jonathan Franzen ist bekannt für seine an die von Vorbildern wie Thomas Mann orientierten Werke, in denen große gesellschaftliche Themen verhandelt werden. Im Roman 'Die Korrekturen' war es die Auflösung familiärer Strukturen, im Roman 'Freiheit' das Scheitern von Idealismus und der illusorische Glaube an ein selbstbestimmtes Leben und im letzten Roman 'Unschuld' die Überwachung durch staatliche Organisationen sowie der Kampf der Whistleblower gegen intransparentes Handeln von Staaten.
Doch das ist bei genauerer Betrachtung nicht das Entscheidende. Vor allen Dingen nicht für die handelnden Figuren, die zwar auch moralische Prinzipien im Kopf haben, aber an ihren oft zerrütteten Biografien und charakterlichen Defiziten scheitern.
Der charismatische Whistleblower Andreas Wolf hat neben einer dunklen Geschichte aus seiner Vergangenheit mit einer übermächtigen Mutter zu kämpfen, und das Gleiche gilt auch für den idealistischen Journalisten Tom Aberant und die ebenfalls idealistisch gesinnte Purity, die darüber hinaus nach ihrem verschwundenen Vater sucht. Damit nicht genug hat Purity Beziehungsprobleme, und sie steht nicht allein. Leila reibt sich zwischen dem gescheiterten Schriftsteller Charles und dem schon erwähnten Tom Aberant auf, und im Hintergrund ist die ehemalige und geheimnisvolle Frau von Tom, Anabel, mit im Spiel. Noch verwickelter wird es, wenn diese Personen, die sich erst im Laufe der Geschichte kennenlernen, aufeinandertreffen und erkennen, was ihre wirkliche Rolle ist und in welcher Beziehung sie zueinanderstehen.
Das Chaos nimmt seinen Lauf, bis zum dramatischen Ende. Wie schon in seinen vorherigen Romanen hat Jonathan Franzen alle Handlungsstränge fest in der Hand. Mit großer Souveränität berichtet er von den unterschiedlichen Biographien und ihren Sichtweisen, fügt alles ineinander und lässt es mit einem großen Krach explodieren.
Ein großer Roman unserer Zeit.

Frantzen, Jonathan

EUR 26,95

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Mascha Kaléko: 'In meinen Träumen läutet es Sturm'

Nachdem ich schon mit Japan ein für mich neues Literaturland entdeckt habe, bin ich durch die Lesung mit Texten von Mascha Kaléko im Rahmen der Veranstaltungsreihe 'Kornlese' auf ein weiteres Gebiet der Literatur gestoßen, das für mich noch nicht so im Fokus stand: Lyrik. Und glücklicherweise bin ich dabei auf Verse gestoßen, die mit konkreten Erfahrungen verbunden sind, einfach voller Leben und Alltagserfahrung stecken. Mascha Kalékos Lyrik ist unverkrampft, gegenwartsnah, humorvoll und dabei gleichzeitig voller Gefühl.
Einen guten Einblick in das Werk der 1907 im galizischen Chrzanów (Damals zur Kaiserlich und Königlichen Monarchie Österreich-Ungarn gehörend und heute in Polen liegend) geborenen und 1975 in Zürich verstorbenen Autorin gibt der im DTV-Verlag erschienene Band 'In meinen Träumen läutet es Sturm'. Er beinhaltet Gedichte und Epigramme aus dem Nachlass.
Das Buch beginnt mit gefühlvollen Liebesgedichten. So heißt es in 'Solo für Frauenstimme': 'Wenn du fortgehst, Liebster, wird es regnen, Klopft die Einsamkeit mich zu besuchen'. Prägnanter kann man Liebesschmerz wohl kaum auf den Punkt bringen.
Doch es gibt auch andere, heitere Momente. Sie handeln beispielsweise von der 'buckligen' Verwandtschaft, die man sich nicht aussuchen kann. Auf den Punkt gebracht ist auch das Gedicht 'Gruß aus Davos', das von einem Aufenthalt im dortigen Lungensanatorium inspiriert wurde: 'Er aß und trank, er aß und las Sein Vaterländisch Blatt/Und in der Küche heißt man ihn Den Herrn von Nimmersatt/Mit diesem Individuum Wohn ich nun Tür an Tür' Und hustet es von nebenans, So sehn ich mich nach dir ...' Als Jüdin im Deutschland der bewegten 1920er und 1930er Jahren kennt Mascha Kaléko, die 1938 vor den Nazis floh, auch das Gefühl des Fremdseins. Davon handeln folgende Zeilen: 'Die Herren offerierten Haus und Hof, Um mir die Zukunft rosig zu gestalten ... Da aber kam der Wanderer, bestaubt, Und als er sprach, begann mein Herz zu singen ... Er hatte nichts als seine wilden Träume'.
Bitter wird der Ton im Exil: 'Wie kommt es, daß wir noch lachen, Daß uns noch freuen Brot und Wein, Daß wir die Nächte nicht durchwachen, Verfolgt von tausend Hilfeschreien'. Es stammt aus dem Gedicht 'Zeitgemäße Ansprache'. Mascha Kaléko weiß als Davongekommene vom Schicksal ihres Volkes, von denen, die es nicht geschafft haben, aus Europa zu fliehen.
Zur Ruhe kommt sie in Israel, ihrer neuen Heimat nach dem Exil in den USA, auch nicht, denn der junge Staat ist immer wieder durch seine arabischen Nachbarn von Krieg bedroht. Dazu passt das Gedicht 'Zeit gemäße Morgenandacht', das gleichfalls zur aktuellen Weltlage passt; 'Noch vor dem Frühstück, dem Traum kaum entronnen, Überfliege ich, mit gesenkten Schwingen, das Wesentliche im Morgenblatt. Mindestens eine Flugzeugentführung, Diverse Versuche mit todsicheren Strahlen. Aufruh. Erpressung. Und Inflation ...'
Trotz ihrer Erfahrungen mit dem Nazi-Regime ist bei Mascha Kaléko eine Sehnsucht nach Deutschland geblieben, das sie nach dem Zweiten Weltkrieg besucht. Die Reise führt sie nach Berlin, wo sie lange lebte. Ihre Eindrücke hielt sie unter anderem in dem Gedicht 'Bleibtreu heißt die Sprache' fest. ' Vor fast 40 Jahren wohnte ich hier - Hier war mein Glück zu Hause' Hier kam mein Kind zur Welt. Und mußte fort. Hier besuchten mich meine Freund Und die Gestapo'.
Auf den Punkt gebracht gehört Mascha Kaléko zu den deutschen Autorinnen aus bewegter Zeit, die eine Wiederentdeckung lohnen.

Kaleko, Mascha

EUR 7,90

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Andreas Meistermann empfiehlt im März:
Flokati oder mein Sommer mit Schmidt

Als das mit Frau Schellack passiert ist, waren mir Mädchen zwar nicht egal, aber sie gehörten der gleichen Gruppe von Menschen an wie meine Schwester. Und wenn ich schon das zwischen David Cassidy und meiner Schwester nicht verstehen konnte, wie sollte ich dann überhaupt den Rest begreifen?

Es ist der WM-Sommer 1974. Der 12-jährige Paul lebt in behüteten Verhältnissen: Der Vater ist ein fußballverrückter Friseur, der sich durch Zettels Traum kämpft, die Mutter eine emanzipierte Linke, die mit dem taxifahrenden RAF-Sympathisanten Bruder Kolja lange, ominöse Ausfahrten unternimmt. Seine Schwester redet nur in Abkürzungen.
Mit seinem besten Freund Boris träumt sich Paul ins Weltall und stromert durch die Nachbarschaft. Dort führt der seltsame Emil Bartoldy seine Schildkröte spazieren. Als am Ende des Sommers die Ehe der Eltern zerbricht und seiner Freundin, der alten Nachbarin Frau Schellack, etwas Schreckliches passiert, flüchtet Paul, um sich final der Welt zu stellen. Martin Schult erzählt einfühlsam und mit Liebe zum Detail eine Geschichte über Freundschaft, Schuld und einen unvergesslichen Sommer.

Martin Schult wird am Montag, 14. März 2016, um 20 Uhr in der Kornmühle aus seinem Buch lesen, dass exakt an diesem Tag erscheint.
ES IST ALSO EINE PREMIERE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!.

Schult, Martin

EUR 18,-

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Andreas Meistermann empfiehlt im Februar:
89/90

'Als der letzte Sommer kam, der die Welt verändern sollte?' - es gibt Generationen, die diese Erfahrung machen konnten . In Deutschland waren es Ereignisse wie das Ende des Zweiten Weltkrieges, die 68er-Zeit und natürlich der Zusammenbruch der DDR, die mit großen gesellschaftlichen Veränderungen verbunden waren und auf die der obige Satz zutraf. Er stammt aus dem Buch '98/90' von Peter Richter und erzählt vom letzten Jahr im sozialistischen Teil Deutschlands.

Im Mittelpunkt steht eine Gruppe Jugendlicher in Dresden, die ihre 'Coming of age'-Phase erleben und schon eines wissen: 'wir würden 16 werden? und dann wäre der Spaß vorbei, da waren wir uns sicher.' Bevor stehen der Militärdienst in der Nationalen Volksarmee, Studium und Arbeit. Ein wenig Zeit ist aber noch, und da sind Mädchen, Musik und kleine Abenteuer wie das nächtliche Einsteigen in ein Freibad im Mittelpunkt. Dort im Freibad sind dann auch alle vertreten, die im Roman eine Rolle spielen. Da gibt es Typen, die irgendwie überall mitmischen und auch den Kontakt zu zwielichtigen Figuren nicht scheuen, Typen, die einfach einen Schlag bei Frauen haben, Großmäuler, die mit Mädchen angeben, bei denen sie in Wirklichkeit keine Chance haben, Sportler, die mit Westausrüstung aus unbekannter Quelle Eindruck schinden, die Geschwister F. die eine betörende Wirkung auf Männer haben und vor allem von den Älteren belagert werden, und viele mehr, die jeder irgendwie aus seiner Jugendzeit kennt.

Eine Zeitlang geht alles noch seinen sozialistischen Lauf, bis der Staat DDR allmählich zerfällt. Der westliche Geist, immer schon als Sehnsucht und Hoffnung empfunden, bricht sich Bahn und beherrscht allmählich die Gemüter. Mit erstaunlichen Auswirkungen. Da mutieren ehemalige Klassenkameraden und Freunde zu Neonazis, andere entwickeln Geschäftsgeist oder tun so, als hätten sie das kapitalistische Prinzip des Eigennutzes verstanden, und es gibt Mädchen, die sich mit einer künstlichen Aura schmücken.

Peter Richter beschreibt aufspannende, informative und unterhaltsame Weise den großen Wandel einer Gesellschaft vom verordneten Sozialismus hin zu einem Kapitalismus, in dem der Einzelne sehen muss, wie er zu Recht kommt. Sein Roman bietet Einblick in eine Gesellschaft, die auch über 20 Jahre nach dem Zusammenbruch vielen im Westen immer noch als Rätsel erscheint.

Richter, Peter

EUR 19,99

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Andreas Meistermann empfiehlt im Januar:
Das Geheimnis der Eulerschen Formel

Einem neuen Land bin ich auf meiner Literaturweltkarte begegnet: Japan. Der Weg dorthin führte mich über ein Buchgeschenk: Yoko Ogawas 'Das Geheimnis der Eulerschen Formel'. Yoko Ogawa ist eine der erfolgreichsten Autorinnen Japans.
In ihrem Roman erzählt sie von einer Begegnung der besonderen Art. Die Ich-Erzählerin, eine alleinerziehende Mutter, die ihr Geld als Haushaltshilfe verdient, soll sich im Auftrag einer privaten Arbeitsagentur um einen Mathematikprofessor mit einem speziellen Problem kümmern. Der ältere Herr hat nach einem schweren Unfall ein eingeschränktes Gedächtnis. Er kann sich nur noch an die Dinge erinnern, die bis zum Unfall passiert sind. Alles, was danach passiert ist, kann er sich nur 80 Minuten lang merken. Gedächtnisbrücken baut er sich mit Zetteln, die ungeordnet an seinem Anzug hängen.
Die Begegnung dieser scheinbar so unterschiedlichen Menschen löst eine Menge aus.
Der zunächst absonderlich wirkende Professor entwickelt sich zu einem fürsorglichen Menschen, der insbesondere den Sohn der Ich-Erzählerin ins Herz schließt, die Ich-Erzählerin und ihr Sohn, die auch ein eher isoliertes Leben führen, lernen umgekehrt beim Professor ein völlig neues Leben kennen, bei dem die Mathematik ? hier kommt vor allem den Gedankenspielen des Mathematikers Euler über komplexe Zahlen eine große Rolle zu ? und die Leidenschaft für Baseball eine große Rolle spielen.
Yoko Ogawa gelingt es auf höchst poetische und dabei trotzdem leichte Weise, den Leser für eine Geschichte über drei höchst individuelle Charaktere zu interessieren, die ein kurzes Glück in der Abschottung durch eine als feindlich wahrgenommene Welt finden. 'Das Geheimnis der Eulerschen Formel' ist kurz gefasst der ideale Einstieg in die literarische Welt eines Landes, das bisher vor allem nur durch Haruki Murakami einer größeren Öffentlichkeit bekannt ist.

Ogawa, Yoko

EUR 8,99

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Unser KUNDENTIPP im Monat Dezember

 

Andreas Meistermann empfiehlt im Dezember: Konzert ohne Dichter

Es gab einmal eine Zeit in Deutschland, in der der Hang zur pathetischen Sprache groß war, und immer wieder gibt es noch vereinzelte Stimmen des dunklen Raunens, die Anklang finden. In diesem Zusammenhang sei auf den Schriftsteller Botho Strauß und seinen vor ein paar Jahren im Spiegel veröffentlichten Beitrag ?Anschwellender Bocksgesang? verwiesen und auch auf einen jüngeren Beitrag von ihm im gleichen Magazin verwiesen, in der er den Untergang der deutschen Kultur beschwört.
Ein großer Vertreter des pathetischen Wortgeklingels früherer Jahre ist der deutsche Dichter Reiner Maria Rilke. Mit seinem Gedichtband ?Duinesier Elegien? im Tornister haben sich zahlreiche junge Männer im Ersten Weltkrieg in Tod und Verderben gestürzt. Gewissermaßen ein Ableben mit lyrischer Girlande.
Vermeintlich schön, aber ohne Nutzen.
In seinem Buch ?Konzert ohne Dichter? beschäftigt sich der Schriftsteller Klaus Modick auf liebevoll ironische Weise mit der Begegnung zwischen Reiner Maria Rilke und dem Künstler Heinrich Vogeler , die verheißungsvoll beginnt und tragisch endet.
Heinrich Vogeler ist Maler, Bildhauer, Buchillustrator und Designer. Er ist führender Kopf der legendären Künstlerkolonie in Worpswede und befindet sich zu Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Höhepunkt seines Ruhms. Reiner Maria Rilke hingegen ist ein noch aufstrebender Lyriker, der kaum von seinen Veröffentlichungen leben kann. Das hält ihn aber nicht davon ab, das große Wort zu sprechen und äußerst von sich eingenommen zu sein.
Kennen gelernt haben sich die beiden zufällig in Florenz. Vogeler ist davon überzeugt, einen Geistesverwandten getroffen zu haben. Spontan lädt er ihn zu einem Besuch nach Worpswede ein. Doch dort stellen sich die Konflikte ein.
Während Vogeler privat und beruflich in einer Krise geraten ist, dreht der angehende Dichterstar Rilke richtig auf. Mit großer Geste und dem Pathos seiner Gedichte nimmt er vor allem die Damenwelt für sich ein.
Der Leser wird bei Klaus Modicks Roman ?Konzert ohne Dichter? zum klammheimlichen Zeugen der Begegnung zweier deutscher Künstlerheroen, die von tatsächlicher und vermeintlicher Größe, aber auch Lächerlichkeit, gekennzeichnet ist. Klaus Modick gelingen in seiner neuesten Veröffentlichung eindrucksvolle Charakterdarstellungen und er besitzt die Fähigkeit, mit großem Detailwissen einerseits, andererseits auch mit einem Augenzwinkern, eine Zeit deutscher Kultur- und Geistesgeschichte lebendig werden zu lassen, die ein bisschen aus dem Blickfeld verschwunden ist, die Zeit des Jugendstils und der sie begleitenden Reformbewegungen wie den Wandervögeln und den Anthroposophen.
Auf den Punkt gebracht ist ?Konzert ohne Dichter? eine kurzweilige und lesenswerte Lektüre voll feinem Humor, dem man sich einfach nicht entziehen kann.

Modick, Klaus

EUR 17,99

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Unser KUNDENTIPP im Monat November

 

Andreas Meistermann empfiehlt im November: Wer wir sind und was wir wollen ? Ein Digital native erklärt seine Generation

Vielleicht ist Bescheidenheit nur eine Zier
Wenn ein 18jähriger die These vertritt, dass die neuen Medien den gesellschaftlichen Wandel und die Arbeitskultur mehr geprägt haben als die 68er, die seiner Meinung nach gerade mal für eine andere Musik und ein anderes Lebensgefühl stehen, zeigt sich ein nicht gerade gering entwickeltes Selbstbewusstsein. Wenn er sich dann auch noch berufen fühlt, der älteren Generation zu erklären, wie seine Generation tickt, und, um noch eins draufzusetzen, sagt, dass, wer die junge Generation begreifen will, ohne Kenntnis der neuen Medien verloren ist, könnte auch den Eindruck von einer gewissen Hochnäsigkeit gewinnen.
Liest man jedoch Philipp Riederles beim Knaur-Verlag erschienenes Buch ?Wer wir sind und was wir wollen ? Ein Digital native erklärt seine Generation?, wird einem bei längerer Lektüre klar, dass hier ein äußerst kluger Debattenbeitrag zum Umgang und Verständnis der neuen Medien vorliegt, der sein Gegenstück in dem von Dr. Manfred Spitzer verfassten Buch ?Digitale Demenz? hat, das bisher die öffentliche Diskussion über das Thema prägte.
Was ist also anders an der sogenannten Generation Y, die im Gegensatz zu ihrer Vorgänger-Generation X ? benannt nach dem gleichnamigen Roman von Douglas Copeland, der eine Generation beschreibt, die ein gepflegtes Abhängen den vielfältigen Angeboten sozialen Aufstiegs in der Gesellschaft vorzieht ? die Optionen nutzt, die die Gesellschaft zu bieten hat?. Eben, das sie diese Optionen ergreift und sie auf ihren Nutzen hin überprüft.
Dazu gehören vor allem die neuen Medien, die das digitale Zeitalter mit sich gebracht hat. Hier ist nach Riederles Darstellung eine neue Möglichkeit entstanden, direkt Informationen zu erhalten und auch über diese Informationen direkt miteinander zu kommunizieren, nicht über die tradierte Sender-Empfänger-Schiene. Es geht um ein freies Medium, in dem freie Menschen miteinander umgehen und Informationen austauschen, jenseits des vormals führenden Mediums Fernsehen.
Der Autor erlangte im Internet Berühmtheit mit seinem Podcast ?Mein i Phone und ich?, da es damals noch zu wenig Informationen über die Nutzungsmöglichkeiten des Apple-Produktes gibt. Die Wirtschaft, die nicht weiß, wie sie mit dieser neuen Generation umgehen soll, lädt ihn zu Vorträgen ein, er wird Unternehmensberater. Um zu erklären, wer die neue Generation ist und was sie will, hat er das schon oben kurz angesprochene Buch geschrieben.
Was er darin berichtet, welche Vorurteile gegenüber den neuen Medien bestehen, wie die Wirtschaft verzweifelt sich um die neue Zielgruppe bemüht, und vor allem, wie die neue Generation die neuen Medien zu welchen Zwecken nutzt, ist ein spannendes Kapitel aktuellster deutscher Kulturgeschichte, mit Auswirkungen in viele Bereiche.

Riederle, Philipp

EUR 12,99

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Unsere KUNDENTIPP im Monat Oktober

 

Andreas Meistermann empfiehlt: América von T.C. Boyle
Die Grenze der Belastbarkeit oder die Belastbarkeit der Grenze

Es ist der Zusammenstoß der wohl unterschiedlichsten Welten, mit dem der Roman América von T. C. Boyle seinen Anfang nimmt. Ein Zusammenstoß im wahrsten Sinne des Wortes, der auf ein Thema hinweist, das zur Zeit täglich in den Zeitungen und im Fernsehen präsent ist: das der Flüchtlinge.
Delaney Mossbacher, Autor für ein Naturmagazin, liberaler Demokrat und ein wohlsituierter Vertreter amerikanischen Mittelstandes, fährt mit seinem Auto einen Mann an. Komischerweise scheint der trotz erheblicher Verletzungen gar nicht daran interessiert zu sein, dass die Ursache des Unfalls und eventuelle Schadensersatzansprüche geklärt werden. Er läuft weg. Woran das liegt? Cándido, so heißt der Mann, ist einer der zahlreichen illegal in den USA lebenden Mexikaner, die sich Hoffnungen auf ein besseres Leben machen.
Der begnadete Erzähler T. C. Boyle (bekannt unter anderem durch den Roman ?Wassermusik?), der es einfach versteht, seine Leser in seinen Bann zu ziehen, entwickelt in dem 1995 unter dem Titel ?The Tortila Curtain? erschienenen Roman ein Szenario, wie es sich zur Zeit auch in Europa abzeichnet. Es ist von Toren und Mauern die Rede.
Delaney Mossbacher lebt mit vielen weiteren Vertretern der weißen amerikanischen Mittelklasse in der Wohnsiedlung Arroyo Blanco Estates. Hier möchte man sich der Illusion hingeben, ein Leben ohne gesellschaftliche Konflikte und mit direktem Zugang zur Natur führen zu können, jenseits des in unmittelbarer Nähe befindlichen Molochs von Stadt namens Los Angeles; doch die Realität in Gestalt von Arbeit suchenden Mexikanern, die sich illegal in den USA aufhalten, und auch in Gestalt von Kriminalität, macht den Bewohnern von Arroyo Blanco Estates einen Strich durch die Rechnung. Mit bewachten Toren und hohen Mauern wollen sie sich schützen und bauen eigentlich doch nur ein Gefängnis.
Auf der anderen Seite steht beispielhaft für die vielen nach Arbeit suchenden Mexikanern Cándido, der gemeinsam mit seiner schwangeren Freundin América auf ein besseres Leben in den USA hofft. Doch diese Hoffnung trügt. Immer wieder kommt nach kurzen Momenten, in denen es so scheint, das die Dinge sich zum Besseren wenden, ein Rückschlag, der alles zunichte zu machen scheint, so das sich Cándido die Frage stellt: ?...wer hatte ihn eigentlich zur Zielscheibe aller Katastrophen dieser Welt erwählt?? Das klingt wohl nicht von ungefähr wie die Klage Hiobs. Und mit einem weiteren Bezug auf die Bibel heißt es an anderer Stelle: ?...dachte er an Christus mit dem Kreuz und der Dornenkrone, und er fragte sich, wer wohl das schlimmere Los zu tragen hatte.?
T. C. Boyle hat mit ?América? einen Roman geschrieben, der sowohl aus der Sicht der etablierten Weißen und der unterprivilegierten Mexikaner schildert, was passiert wenn unterschiedliche Gesellschaftsgruppen aufeinander treffen. Eine mehr als lohnenswerte Lektüre zu der zur Zeit alle beschäftigenden Flüchtlingsdebatte.

T.C. Boyle

EUR 9,90

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Buchhandlung Viola Taube

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